NIOSH Hebegleichung

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Schweres Heben und die NIOSH-Hebegleichung:
– Heben Sie eine zu schwere Last? Finden Sie die empfohlene Gewichtsgrenze für Ihre Hebeaufgabe am Arbeitsplatz!

Auf den Punkt gebracht kann Ihnen die NIOSH-Hebegleichung für schweres Heben bei der Beantwortung von zwei Fragen helfen:

Die berühmte NIOSH-Hebegleichung: Ermittlung der maximal empfohlenen Gewichtsgrenze zum Heben von Lasten bei der Arbeit.

Wie schwer kann ich die Last bei dieser speziellen Hebeaufgabe sicher heben?
(Hier erhalten Sie den RWL, die empfohlene Gewichtsgrenze!)

Und

Wie hoch ist das körperliche Risiko für mich, wenn ich die Last hebe, die ich heben muss?
(Hier erhalten Sie eine Zahl auf dem LI, dem Lifting Index)

Weiter unten in diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Sie den RWL und den LI ermitteln können.

Zunächst möchten wir jedoch etwas mehr über die NIOSH-Hebegleichung erklären – was sie auszeichnet und wie sie zustande kam.

Was ist die NIOSH-Hebegleichung?

Die NIOSH-Hebegleichung ist ein numerisches Hilfsmittel (sozusagen eine clevere Form eines Taschenrechners), mit dem Sicherheits- und Gesundheitsexperten das Risikoniveau bewerten können, das beispielsweise mit einer bestimmten Art manueller Handhabungstätigkeit, insbesondere schweres Heben verbunden ist.

Bei der NIOSH-Hebegleichung handelt es sich um einen eher technischen Bestandteil einer ergonomischen Risikobewertungsformel, denn um sie verwenden zu können, müssen die Einzelheiten des Hebevorgangs im Detail bekannt sein.

Bevor wir uns mit der Hebegleichung selbst befassen, werfen wir kurz einen Blick darauf, wie die NIOSH-Hebegleichung entstanden ist, wann sie gilt und wann nicht.

Die Geburt der ursprünglichen NIOSH-Hebegleichung

Die NIOSH-Hebegleichung wurde 1981 vom NIOSH (National Institute for Occupational Safety and Health in den USA) entwickelt.

Der Zweck der NIOSH-Hebegleichung von 1981 bestand darin, Hebearbeiten zu identifizieren, die eine potenzielle Gefahr für den Bewegungsapparat darstellen und bei Vernachlässigung dieses Risikos zu Verletzungen, Beeinträchtigungen und/oder Schmerzen im unteren Rücken (LBP) führen könnten.

Mit dieser Gleichung konnte eine Methode zur Ermittlung sicherer Gewichtsgrenzen für die manuelle Handhabung von Lasten bereitgestellt werden. Die Art der Hebeaufgaben, für die Gewichtsgrenzen gemessen werden konnten, war recht einfach, nämlich gerade Hebevorgänge des Rumpfes, welche als sagittale Hebeaufgaben bekannt sind.

Trotz der ursprünglichen Sinnhaftigkeit der Gleichung sah die Realität beim Heben oft abwechslungsreicher und komplexer aus, zum Beispiel musste für schweres Heben von Lasten manchmal der Oberkörper gedreht werden. Daher wurde die Hebegleichung als zu begrenzt erachtet, da sie nicht genügend Arten von Hebeszenarien abdeckte.

Die überarbeitete NIOSH-Hebegleichung

So wurde 10 Jahre später, 1991, eine überarbeitete und umfassendere NIOSH-Hebegleichung entwickelt, und 1994 wurde diese überarbeitete Ausgabe für sicheres Heben der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Diese überarbeitete NIOSH-Hebegleichung wurde als Fortschritt beim Schutz der Arbeitnehmer angesehen, weil:

  • Das maximal empfohlene Ladegewicht wurde von 90 Pfund (ca. 41 Kilo) auf 51 Pfund (ca. 23 Kilo) reduziert.
  • Es wird eine größere Vielfalt von Hebevorgängen abgedeckt. Die aktualisierte Gleichung für schweres Heben umfasst mehr Hebevariablen wie z.B. asymmetrisches Heben (Verdrehen des Oberkörpers) und die Qualität der Handgriffe (Heben von Gegenständen mit nicht optimalen Handgreifmöglichkeiten).

Trotz ihrer erneuten Verfeinerung gilt die NIOSH-Hebegleichung jedoch immer noch nur für oben beschriebenes schweres Heben und nicht für Hebevorgänge, die z.B. Folgendes umfassen:

  • Heben mit nur einer Hand
  • Arbeitsschichten, die länger als 8 Stunden dauern
  • mehr als minimales Tragen/Gehen (nicht mehr als ein paar Schritte)
  • Drücken/Schieben und/oder Ziehen
  • nur sitzende oder kniende Positionen
  • Lasten, die als instabil gelten, z.B. Behälter mit Flüssigkeit
  • mehr als minimale Haltezeit (nicht mehr als ein paar Sekunden)
  • ein hohes Maß an Wiederholungen, die einen erheblichen Energieaufwand erfordern
  • manuelle Handhabung in „schlechten“ Umgebungen, z.B. gekennzeichnet durch eingeschränkten Zugang, rutschige Böden oder hohe/niedrige Temperaturen

Was genau erhalten Sie mit der NIOSH-Hebegleichung?

Sie erhalten eine empfohlene Gewichtsgrenze (RWL) für:

  • eine sehr spezifische Hebeaufgabe, welche mit beiden Händen durchgeführt wird
  • welche das maximale Gewicht einer Ladung definiert 
  • und für die das Heben für 75 % der weiblichen und 90 % der männlichen Arbeitnehmer als sicher gilt

Sie erhalten außerdem eine Zahl im Lifting Index (LI), die Sie über den Grad des Risikos für MSE (Muskel-Skelett-Erkrankungen) informiert, das mit dem Heben der Last verbunden ist. Je höher die Zahl, desto höher das Risiko. Das Ziel besteht darin, nur sichere Hebeaufgaben mit einem Zahlenwert von weniger als 1,0 durchzuführen.

Die NIOSH-Hebegleichungsformel für schweres Heben

NIOSH-Hebegleichungsrechner zur ergonomischen Risikobewertung beim Heben.

Die Formel zum Ermitteln der empfohlenen Gewichtsgrenze für Ihre Hebeaufgabe lautet:

RWL = LC x HM x VM x DM x AM x FM x CM

Um die empfohlene Gewichtsgrenze (RWL) zu ermitteln, müssen Sie den Wert der sieben verschiedenen Faktoren kennen, die sich auf den betreffenden Hebevorgang beziehen.

Die erste, LC (Load Constant), ist einfach und beträgt immer 51 (= 51 Pfund, d.h. ca. 23 Kilo) und stellt die maximale Last dar, die unter idealen Bedingungen gehoben werden kann.

Alle 6 anderen Faktoren oder Variablen stellen Komplexitäten dar, die das empfohlene Gewicht der Lastreduzieren können, um einen sicheren Hebevorgang zu gewährleisten.

Was sind also diese 6 anderen Variablen?

HM (Horizontaler Multiplikationsfaktor) = Der horizontale Abstand von den Händen zur Körpermitte (definiert als Mittelpunkt zwischen den Knöcheln).

VM (Vertikaler Multiplikationsfaktor) = Der vertikale Abstand zwischen den Händen (die die Last in der Ausgangsposition halten) und dem Boden.

DM (Distanzmultiplikationsfaktor) = Die vertikale Distanz, über die die Last angehoben wird, gemessen vom Startpunkt zum Endpunkt.

AM (Asymmetrischer Multiplikationsfaktor) = Der Winkel der Asymmetrie zum Auftrieb. Der Grad, der erforderlich ist, um den Körper während der Hebeaufgabe zu verdrehen.

FM (Frequenzmultiplikationsfaktor) = Die Zeit zwischen den Hebevorgängen und die Gesamtdauer der Hebevorgänge während einer Arbeitsschicht.

CM (Kopplungsmultiplikationsfaktor) = Die Qualität des Griffs an der Last, definiert als „gut“, „mittelmäßig“ oder „schlecht“.

Ergonomisches Bewertungstool für das Heben am Arbeitsplatz: Die NIOSH-Hebegleichung.

Die schwierige Aufgabe besteht hier nicht so sehr in der Messung, sondern darin, genau zu verstehen, was mit den Variablen gemeint ist. Wenn Sie weitere Informationen benötigen, um einige der Variablen entschlüsseln zu können, bietet Ergo-Plus hier einen ziemlich guten Leitfaden an, und das Canadian Centre for Occupational Health and Safety bietet hier auch ausführlichere Erklärungen zu den Faktoren.

Den LI finden:

LI = Gewicht÷ RWL =

Um den LI (Lifting Index) zu ermitteln, müssen Sie das Lastgewicht als auch den RWL für die Hebeaufgabe kennen. Der LI gibt Ihnen einen Hinweis auf das Risikoniveau, das mit der Hebeaufgabe verbunden ist. Je höher der LI, desto höher das Risiko von MSE oder Verletzungen. Werte unter 1,0 gelten für die meisten Arbeitnehmer als sicher.

Sind Sie bereit, den Rechner für schweres Heben zu verwenden?
– Online-NIOSH-Hebegleichungsrechner zum Ermitteln des RWL

Wenn Sie über die oben genannten Variablen für die Hebegleichungen verfügen, können Sie nun den RWL ermitteln.

Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Sie können die Zahlen entweder selbst auf einem Taschenrechner eingeben
  2. Oder Sie können einige Online-Rechner für die NIOSH-Hebegleichung verwenden.

Folgende links enthalten Beispiele solcher Online-Rechner:

Der NIOSH Hebegleichungsrechner vom Canadian Centre for Occupational Health and Safety.

Der NIOSH Hebegleichungsrechner von Ergo-Plus.

Wie wirken sich die verschiedenen Variablen auf den RWL aus? 
– An Hand von Beispielen die Komplexität der Gleichung verstehen

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie sich die verschiedenen Variablen in der Gleichung für schweres Heben auf die empfohlene Gewichtsgrenze auswirken, hat das Canadian Centre for Occupational Health and Safety unter folgenden Links einige ausgezeichnete Beispiele für Sie zusammengestellt.

Schweres Heben: Weitere wichtige Quellen

Sie sind beschäftigt und möchten einfachere Berechnungsmöglichkeiten?

Wenn Ihnen die NIOSH-Hebegleichung etwas zu datenintensiv ist, gibt es online mehrere andere kostenlose Rechner für sicheres und schweres Heben, die sowohl für vielbeschäftigte Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer einfach und schnell zu verwenden sind. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zu online Rechnern

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